March for Europe – Plumpe Public Relations Party für eine marode EU

Stell dir vor, die EU wird immer unbeliebter, aber manche gehen trotzdem zur Party. Beim „March for Europe“ in Berlin und gleichzeitig auch in anderen europäischen Städten wurden keine Kosten und Mühen gescheut (wäre mal interessant zu wissen, wer das im Detail finanzierte), um zahlreiche Bürger für die EU marschieren zu lassen. Große Massen waren es dennoch nicht – für 500 Mio. EU-Bürger erstaunlich wenig EU-Begeisterung auf den Straßen.

Man hätte die Veranstaltung auch in Demo für mehr Zentralismus für die EU umbenennen können, denn kritikloser, banaler und einfältiger ging es wirklich nicht, was dort gesagt wurde. Probleme blieben gänzlich unerwähnt. Mainstream-Medien-Vertreter wie so manche ZDF-Reporterinnen sagten in Berlin begeistert „Ich bin dabei“ in die Kamera. Pathos, wohin man schaute.

Viele bunte EU-Fähnchen machen eben noch keine gute Politik

Als ob es nie eine Eurokrise in v.a. Griechenland gegeben hätte, die die finanzielle und wirtschaftliche Stabilität Europas auch nach Jahren sinnloser Rettungspakete massiv bedroht. Als ob es nie eine Flüchtlingskrise mit unkontrollierter Zuwanderung Millionen meist nicht asyl-berechtigter Migranten gegeben hätte, die Europas Sicherheit und das europäische Sozialstaatgefüge herausfordern. Und als ob es nie einen von v.a. Kanzlerin Merkel eingefädelten EU-Türkei-Deal gegeben hätte, der die Souveränität der EU-Mitgliedsstaaten weiter aushöhlte und entgegen des Schengenvertrags die Sicherung der EU-Außengrenzen einem Nicht-EU-Staat und dazu ausgerechnet einem zunehmend despotischeren wie der Türkei übertragen hat.

Als vor 60 Jahren die Römischen Verträge unterschrieben wurden, die bei „March for Europe“ ausgiebig gefeiert wurden, galt noch das Credo des Europas der Vaterländer. Wirtschaftliche Prosperität und Kooperation ja, aber kein monströser Vereinigte-Staaten-von-Europa-Einheitsbrei. Einigkeit in Vielfalt, anstatt viel Einfältigkeit. So lautete die an sich sehr gute Vision eines friedlichen und freiheitlichen Europas 1957.

De Gaulle und Adenauer würden sich im Grab rumdrehen, wenn sie wüssten, was daraus heute geworden ist.

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