Hamed Abdel-Samad in München: „Die Integration ist gescheitert.“

In einem überaus bemerkenswerten Vortrag in München hat der Islamkritiker und Politologe Hamed Abdel-Samad die Integration von vielen Muslimen (und v.a. konservativen Islamverbänden) in Deutschland für gescheitert erklärt.

Gekonnt argumentierte der gebürtige Ägypter und Sohn eines Imams in München im Künstlerhaus am Lenbachplatz, dass das Phänomen eben nicht alle Migranten umfasse. „Natürlich trifft das nicht alle Migrantengruppen. Denn das wäre unfair etwa gegenüber Polen, Griechen, Russlanddeutschen, Italienern, Vietnamesen.“ Sie hätten sich trotz wenig Angebot Mühe gegeben und eingegliedert im Land.

„Wir reden immer über Integration da, wo sie gescheitert ist, da wo sie fehlt, da wo wir eine Islamkonferenz haben, einen Integrationsgipfel, da wo wir Kopftuch-, Burkini- und Burkadebatte haben, eine Antisemitismus-Debatte, Debatte über Speisevorschriften, über Kinderehen, Zwangsverheiratungen, Ehrenmorde… – bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe reden wir so intensiv über Probleme und über Sonderrechte dieser Gruppe“, so Abdel-Samad.

Betroffene Stille im Saal, in der wohl hauptsächlich CSU-Sympathisanten oder -Mitglieder saßen, denn die JU München hatte zu dem Vortrag geladen.

Noch bedröppelter schauten die Anhänger der Partei, deren Vorsitzende Seehofer/Merkel für einen Großteil der nicht-vorhandenen Integration eines bis heute endlosen Migranten-Stroms aus Nordafrika und dem Nahen Osten verantwortlich zeichnen, als Abdel-Samad erklärte: „Wir sagen die ganze Zeit, unsere Verfassung ist nicht verhandelbar. Wirklich? Wollen wir mal einen Test machen?“

Er listete auf: „Das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das garantiert die Verfassung. Was machen wir mit der Beschneidung von Kindern, Mädchen und Jungs? Das passiert bis heute in Deutschland. Man drückt ein Auge zu aus religiösen Gründen. Wie wäre es mit Tierschutz? Auch Tierschutz ist verankert im Grundgesetz. Aber Schächtung? Tierquälerei? Geht aus religiösen Gründen. Was ist mit Kinderehen? Natürlich nicht erlaubt. Es sei denn ein muslimischer Migrant kommt mit seiner Frau, die minderjährig ist. Dann müssen wir ein Auge zudrücken aus humanitären Gründen. Wie wäre es mit Mehrehen? Wie wäre es mit Meinungsfreiheit? Wir können heute in jeder Sendung Satire über das Christentum, Jesus, Moses oder Buddha haben, wir können jede religiöse Figur zeichnen oder kritisieren. Kann man das ohne weiteres in Deutschland machen, wenn es um Mohammed, den Islam oder den Koran geht?“

Ganz nach Immanuel Kant ließe sich auch sagen, dass viele Muslime – übrigens weltweit – in ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit verharren anstatt den Ausgang namens Aufklärung zu wählen.

Hamed Abdel-Samad hingegen ist auf dem besten Weg ein muslimischer Voltaire zu werden.

Unaufgeklärt sind auch noch andere: unser politisches Establishment. Das Dilemma der Christsozialen wurde offensichtlich. Man schmückt sich gerne mit politisch unkorrekten „Hardliner“-Thesen, die sonst nur aus der massiv bekämpften AfD-„Schmuddelecke“ kommen, aber offenbar nur ein Experte wie Hamed Abdel-Samad „ungestraft“ aussprechen darf und der dafür auch zurecht beklatscht wird. Denn nicht nur, dass es keine wirksame Strategie der Altparteien gegen die von Hamed Abdel-Samad hervorragend skizzierten Probleme gibt. Sie dürfen ja im Politik-Establishment noch nicht einmal richtig ausgesprochen werden. Tut man es dennoch, kommt das in der Merkelunion einem Karrierekiller gleich.

Es wurde an dem Abend auch deutlich: Nur wenige „Abweichler“ in der Union trauen sich, einen so unbequemen Redner/Autor wie Hamed Abdel-Samad überhaupt einzuladen. Daher muss man dem Münchner CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger Respekt schulden, denn er hat es zusammen mit der JU „gewagt“.

Es ist zu hoffen, dass sich in der Politik langsam wieder eine schonungslose Aufarbeitung von Sachproblemen durchsetzt anstatt Augenwischerei, Schönfärberei und Handlungsunfähigkeit, die dieses Land in vielen brandheißen Politikfeldern wie der Integrations-Debatte derzeit einfach nur noch massiv lähmt.

Hamed abdel-Samad

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