„Wir vergessen nicht!“-Schweigemarsch in Chemnitz gibt Gewaltopfern ein Gesicht

Der „Wir vergessen nicht!“-Schweigemarsch der AfD-Landesverbände Sachsen, Thüringen und Brandenburg in Chemnitz hat für einen medialen und politischen Paukenschlag gesorgt. Landauf, landab wurde die Partei für angebliche Instrumentalisierung nach dem Mord an Daniel H. mutmaßlich durch Migranten kritisiert.

Die Altparteien: in heller Aufregung. Die Grünen etwa wollten sogleich einen „runden Tisch gegen Rechtsradikalismus“, Außenminister Heiko Maas forderte: „Die Anständigen müssen lauter werden“ und Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftigte, man habe Videoaufnahmen darüber, „dass es Hetzjagden gab, dass es Zusammenrottungen gab, dass es Hass auf der Straße gab.“

Die eigentliche Gewalttat auf dem Chemnitzer Stadtfest: fast vergessen.

Doch Tausende Bürger sahen das anders, ließen sich nicht beirren und schlossen sich der Demo durch die sächsische Stadt an. Auch prominente AfD-Abgeordnete wie Uwe Junge, Andreas Kalbitz, Armin-Paul Hampel und Björn Höcke liefen mit.

N&F war in Sachsen vor Ort.

Dass die AfD zusammen mit Gruppen Pro Chemnitz und PEGIDA zur Demo aufgerufen hatte, ist sicher nicht der schlaueste Schritt gewesen. Denn wer sich genau mit welchen Zielen bei letzteren Gruppen einreihte, bleibt oft unklar und es gibt einen Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD bzgl. PEGIDA. Der sächsische Landesverband der AfD sah aber in der Kooperation mit PEGIDA kein Problem. Das ist ein bisschen ein Widerspruch. Doch die Demo an sich verlief friedlich. Die Teilnehmer hielten sich überwiegend an die Spielregeln.

Der Aufzug der AfD kam nicht sehr weit, die Versammlung wurde aufgelöst, denn linke Gegendemonstranten hatten die Strecke blockiert. Sehr undemokratisch!

Eine eindrucksvolle Demonstration im wahrsten Sinne des Wortes war die AfD-Demo dennoch. Einer Vielzahl von Opfern von Ausländergewalt, darunter neben Daniel H. auch Mia aus Kandel oder Maria L. aus Freiburg, wurde auf großen Bildtafeln ein Gesicht gegeben. Das war genau das, was die Bundesregierung oder eine SPD, CDU oder CSU stets versäumt hatten zu tun. Man erinnere sich nur an das viel zu späte Breitscheidplatz-Gedenken: Erst ein Jahr nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurde dort eine Gedenkstätte eingeweiht.

Natürlich wurde die irrsinnige Migrationspolitik von Kanzlerin Merkel somit erneut scharf kritisiert. Die „Wir schaffen das“-Doktrin ist schließlich schuld daran, dass solche mutmaßlichen Täter wie Yousif A. und Alaa S. überhaupt einreisen und sich hierzulande aufhalten durften.

Einige „Patrioten“ müssen derweil nochmal das Grundgesetz lesen: Es gab von einigen von ihnen Pöbeleien gegenüber Nobel und Frei, welche man wohl mit der Mainstream-Presse verwechselte. Man wollte wohl nicht gefilmt werden, was aber erlaubt ist, wenn man an Demos teilnimmt. Nobel und Frei stellt sich ausdrücklich auf die Seite der Pressefreiheit nach Art 5 GG. Auch wenn die Berichte von etwa den Öffentlich-Rechtlichen tendenziös oder sogar lückenhaft sind – sie gilt es auszuhalten. Aber – ganz klares Statement von uns – dafür darf die „Qualitätspresse“ auch lautstark kritisiert werden! Übergriffe und Behinderungen oder Nötigungen hingegen sind NICHT erlaubt. Niemandem gegenüber.

Mutig war der Auftritt etwa von TV-Journalistin Dunja Halali durchaus. Auch wenn sie vieles nicht einsehen dürfte, so hat sie sich den Vorwürfen der Demonstranten immerhin gestellt. Man muss miteinander reden:

Update 05.09.2018: Nach dem mehr als merkwürdigen #wirsindmehr-Gratiskonzert in Chemnitz, das sich am 03.09.2018 in völliger Verdrehung der Tatsachen mit Zehntausenden Besuchern „gegen Rechts“ wendete (hier ist kein Ausländer durch Deutsche erstochen worden, sondern umgekehrt!), hat sich heute Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärt. „Es gab keinen Mob und keine Hetzjagd“, stellte Kretschmer klar „und hinterfragte entsprechende Berichte.“

Auf gut Deutsch heißt das also, dass ein Großteil der Berichterstattung über die angeblichen Neonazi-Massenpogrome aus der Luft gegriffen waren und eigentlich nur dazu dienten, überwiegend unbescholtene, regierungskritische Demonstranten zu diffamieren. Diejenigen, die bei den rechtsgerichteten Demonstrationen „ausfällig“ geworden seien, seien weder alle Chemnitzer gewesen, noch seien sie in der Mehrheit gewesen, sagte Kretschmer. Der nächste Paukenschlag.

Wie war das noch mit seriösem Journalismus, der genau und unvoreingenommen recherchiert, nichts erfindet und nichts weglässt?

Bereits vor einigen Tagen hatten N&F und AfD-Abgeordnete wie Gerold Otten die Thesen von Hetzjagden hinterfragt und gleichzeitig unmissverständlich eine rote Linie zu wirklich rechtsradikalen Gruppen gezogen. Sie mag es ganz vereinzelt auch in Chemnitz gegeben haben. Doch sie stehen wie gesagt als extremistische Minderheit außerhalb der Gesellschaft.

Für Merkel scheint aber der Extremismus in Chemnitz Mainstream statt Ausnahme zu sein – trotz besseren Wissens der ihr zuarbeitenden Ministerien und Behörden? Sie scheint wenig einsichtig und gibt offenbar nix auf Parteifreund Kretschmers Erkenntnisse: Es habe Bilder gegeben, die „sehr klar Hass und damit auch die Verfolgung unschuldiger Menschen“ gezeigt hätten, so die Kanzlerin. Der dritte Paukenschlag.

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